Mit der Einführung der COVID-19-Impfstoffe kam es zu einer erhöhten Nachfrage nach allergologischen Beratungen, da in den ersten Impfkampagnen bereits Fälle von Anaphylaxie berichtet wurden. Studien zeigen jedoch, dass das Risiko schwerer allergischer Reaktionen, wie Anaphylaxie, gering ist und primär bei Frauen nach der ersten Impfdosis auftritt [1]. Die Rolle von PEG als potenziellem Auslöser wurde in der Literatur diskutiert; jedoch zeigen viele betroffene Patienten keine IgE-vermittelte Allergie, was darauf hinweist, dass Stressreaktionen eine bedeutende Rolle spielen könnten [2, 3].
Relevanz der COVID-19-Impfung 2024/2025
Die Impfempfehlungen der STIKO werden insbesondere von Erwachsenen nicht in Anspruch genommen. Für die Saison 2024/2025 bleibt die COVID-19-Impfung von besonderer Bedeutung, vor allem für ältere Menschen und Risikogruppen mit geschwächtem Immunsystem. Daten aus dem Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zeigen, dass die Hospitalisierungsrate von COVID-19-Patienten, insbesondere unter ungeimpften älteren und immungeschwächten Personen, erhöht bleibt. Die DIVI-Daten verdeutlichen die nach wie vor signifikante Belastung des Gesundheitssystems durch schwere akute Atemwegserkrankungen (SARI) auch in der Saison 2024/2025, mit intensiven Belegungen und einer erhöhten Inzidenz schwerer Krankheitsverläufe unter Risikopatienten [4].
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Am 14. Jänner 2025 fanden sich im DIVI-Register 174 COVID-19-assoziierte Aufnahmen auf den Intensivstationen bei im Gegensatz dazu 12.374 Nicht-COVID-19-Fällen. Dies entspricht 1,4 % aller gemeldeten, belegten Betten im DIVI-Register (DIVI Intensivregister – https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/zeitreihen).
In der Saison 2023/2024 hatte COVID-19 einen mit 13,9 % hohen Anteil an Intensivfällen im Vergleich zu anderen Erregern. Influenza war für 11 % der SARI-Fälle verantwortlich, RSV für 10 %, wobei Kinder unter 5 Jahren besonders stark von RSV betroffen waren. In dieser Altersgruppe erhielten etwa 7 % der RSV-bedingten SARI-Fälle eine Intensivbehandlung [5].
Eine Studie aus Japan belegte, dass gegen COVID-19 geimpfte Personen ein signifikant reduziertes Risiko für Krankenhausaufenthalte und schwere Erkrankungen aufweisen. Das Hospitalisierungsrisiko sank bei Personen mit abgeschlossener Booster-Impfung um 73,9 %, und das Risiko für schwere Verläufe verringerte sich um 87,1 % im Vergleich zu ungeimpften Personen [6]. Dies unterstreicht die Schutzwirkung der Impfung und insbesondere der Auffrischungsdosen.
Durch eine Impfkampagne konnten in Deutschland mehr als 4000 Todesfälle verhindert werden
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Zusätzlich wurde durch Modellierungen in Deutschland gezeigt, dass die Impfkampagne im Herbst 2023 mit aktualisierten mRNA-Impfstoffen bis zu 85.400 Krankenhausaufenthalte und 4100 Todesfälle verhindern konnte. Die Kosteneffektivität der Impfkampagne ist hoch und bringt sowohl dem Gesundheitssystem als auch der Gesellschaft insgesamt erhebliche Vorteile. Der gesundheitliche und wirtschaftliche Nutzen der COVID-19-Impfung betont die Bedeutung gezielter Impfstrategien, insbesondere für Risikogruppen und ältere Erwachsene [7, 8].
COVID-19-Impfstoffe
In Deutschland sind derzeit verschiedene COVID-19-Impfstoffe zugelassen, die hauptsächlich auf mRNA- und proteinbasierten Technologien basieren. Die mRNA-Impfstoffe, wie beispielsweise Comirnaty® von BioNTech/Pfizer und Spikevax® von Moderna, enthalten genetische Informationen des SARS-CoV-2-Virus in Form von mRNA. Diese mRNA ist von Lipid-Nanopartikeln umhüllt, die das Eindringen in die Körperzellen ermöglichen, wo dann die Produktion des viralen Spike-Proteins erfolgt, um eine Immunantwort zu erzeugen. Diese Impfstoffe sind ab dem 6. Lebensmonat zugelassen.
Die proteinbasierten Impfstoffe, wie Nuvaxovid® von Novavax und Bimervax® von HIPRA, enthalten hingegen direkt das virale Protein oder Proteinfragmente, die eine Immunreaktion hervorrufen. Diese Impfstoffe sind für Personen ab 12 bzw. 16 Jahren zugelassen und werden insbesondere für Auffrischungsimpfungen verwendet.
Für die Saison 2024/2025 stehen in Deutschland an die Omikron-Sublinien JN.1 und KP.2 adaptierte mRNA-Impfstoffe von Pfizer/Biontech (Comirnaty®), der an die Omikron-Sublinie JN.1 adaptierte mRNA-Impfstoff von Moderna (Spikevax®) sowie der an die Omikron-Sublinie JN.1 adaptierte proteinbasierte Impfstoff von Novavax (Nuvaxovid®) für die Impfung zur Verfügung [9].
Sicherheitsprofil der COVID-19-Impfstoffe
Laut dem Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wurden bis zum 31. März 2023 in Deutschland insgesamt 340.282 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach über 192 Mio. verabreichten COVID-19-Impfdosen gemeldet, was einer Melderate von 1,77 pro 1000 Impfungen entspricht. Die meisten berichteten Nebenwirkungen waren mild und vorübergehend, darunter Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit und Fieber.
Schwerwiegende Nebenwirkungen wie Myokarditis und Perikarditis wurden ebenfalls erfasst, insbesondere bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern nach einer mRNA-Impfung. Studien und internationale Daten deuten darauf hin, dass diese seltenen Fälle oft einen günstigen Verlauf nehmen und die Patienten nach kurzer Zeit vollständig genesen [10].
Zusätzlich wurde in seltenen Fällen ein Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) nach der Impfung mit adenoviralen Vektorimpfstoffen wie Vaxzevria® (AstraZeneca) und Jcovden® (Johnson & Johnson) festgestellt. Dies führte dazu, dass diese Impfstoffe seid 1.12.2021 in Deutschland nicht mehr verfügbar sind. Auch das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) wurde in wenigen Fällen nach der Impfung beobachtet, vor allem bei den vektorbasierten Impfstoffen. Die Gesamtdaten zeigen jedoch, dass das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen im Vergleich zum Nutzen der Impfung und zum Schutz vor schweren COVID-19-Verläufen gering ist [11].
Die Analyse des PEI hebt hervor, dass Spontanmeldungen über Nebenwirkungen ein wichtiges Instrument sind, um mögliche neue Risikosignale zu erkennen. Trotzdem betont der Bericht, dass solche Verdachtsfälle oft nicht ausreichen, um eine kausale Beziehung zur Impfung festzustellen. Die Erhebung und Bewertung von Sicherheitsdaten wird daher fortlaufend durch systematische Studien ergänzt, die eine robuste Grundlage für die Einschätzung des Sicherheitsprofils der COVID-19-Impfstoffe bieten [11].
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Aktuelle Impfempfehlung der STIKO (Stand 26. Sept. 2024)
Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) gibt weiterhin evidenzbasierte Empfehlungen zur COVID-19-Impfung, um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen zu schützen. In Tab. 1 sind die aktuell verfügbaren Impfstoffe in Deutschland zusammengefasst.
Tab. 1
Kurzübersicht aktuell in Deutschland verfügbarer COVID-19-Impfstoffprodukte nach PEI – Stand 12/2024. (Nach [12])
Hersteller | Bezeichnung | Wirkstoff | Zugelassene Altersgruppe | Dosen pro Durchstechflasche |
---|---|---|---|---|
BioNTech | COMIRNATY® JN.1 30 µg | Bretovameran 30 µg | Ab 12 Jahre | 6 Dosen |
COMIRNATY® KP.2 30 µg | COVID-19 mRNA vaccine 30 µg | Ab 12 Jahre | 6 Dosen | |
COMIRNATY® JN.1 10 µg | Bretovameran 10 µg | Ab 5–11 Jahre | 6 Dosen | |
COMIRNATY® KP.2 10 µg | COVID-19 mRNA vaccine 10 µg | Ab 5–11 Jahre | 6 Dosen | |
COMIRNATY® JN.1 3 µg | Bretovameran 3 µg | Ab 6 Monate–4 Jahre | 3 Dosen | |
COMIRNATY® KP.2 3 µg | COVID-19 mRNA vaccine 3 µg | Ab 6 Monate–4 Jahre | 3 Dosen | |
Novavax | Nuvaxovid JN.1® | COVID-19-Impfstoff (rekombinant, adjuvantiert) 5 µg | ab 12 Jahre | 1 Dose |
Zu den prioritären Risikogruppen, für die eine jährliche Auffrischungsimpfung im Herbst empfohlen wird, gehören:
-
Personen ab 60 Jahren
-
Bewohner von Pflegeeinrichtungen
-
Personen ab 6 Monaten mit relevanten Grunderkrankungen, darunter:
-
Chronische Erkrankungen der Atemwege
-
Chronische Herz-Kreislauf‑, Leber- und Nierenerkrankungen
-
Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankungen
-
Adipositas
-
Erkrankungen des Zentralnervensystems, geistige Behinderung oder psychiatrische Erkrankungen
-
Trisomie 21
-
Angeborene oder erworbene Immundefizienzen
-
Aktive neoplastische Erkrankungen
-
-
Medizinisches und pflegerisches Personal mit direktem Patientenkontakt
-
Enge Kontakte von Personen mit hohem Risiko
Die verfügbaren Impfstoffe, sowohl mRNA- als auch proteinbasierte Vakzine, sind auf Varianten des SARS-CoV‑2 angepasst (siehe oben).
Die STIKO empfiehlt zudem, den COVID-19-Impfstatus regelmäßig zu überprüfen und fehlende Impfungen nachzuholen. Insbesondere sollten Personen mit einer unvollständigen Basisimmunität – definiert als mindestens drei Antigenkontakte (Impfung oder Infektion) – die erforderlichen Impfungen zeitnah nachholen [7, 9].
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Anaphylaxie und allergische Reaktionen auf COVID-19-Impfstoffe
Die Analyse der gemeldeten Fälle an das Paul-Ehrlich-Institut nach anaphylaktischen Reaktionen durch COVID-19-Impfungen in Deutschland basierend auf der Brighton-Collaboration-Klassifikation (BCC) zeigt eine unterschiedliche Häufigkeit und Verteilung der Reaktionen [13].
Die Brighton Collaboration (BC) bietet eine standardisierte Klassifikation zur Bewertung der diagnostischen Sicherheit anaphylaktischer Reaktionen, basierend auf einer Einteilung in Major- und Minor-Kriterien, die sich über verschiedene Organsysteme erstrecken (Tab. 2; [14, 15]).
Tab. 2
Falldefinitionen Major- und Minor-Kriterien. (Adaptiert nach Gold et al. [15])
System | Major-Kriterien | Minor-Kriterien |
---|---|---|
Haut/Schleimhäute | Urtikaria (außerhalb der Injektionsstelle) | Generalisierte Erythema (ohne Juckreiz) |
Angioödem (außerhalb der Injektionsstelle) | ||
Generalisierte Erythema (mit Juckreiz) | ||
Beidseits rote/juckende Augen (neu aufgetreten) | ||
Atemwege | Exspiratorisches Giemen (dokumentiert durch medizinisches Fachpersonal) | Neuer und anhaltender Husten, Niesen oder laufende Nase (neu aufgetreten und andauernd) |
Inspiratorischer Stridor | ||
Angioödem der oberen Atemwege (Zunge, Pharynx, Uvula, Kehlkopf; dokumentiert durch Fachpersonal) | ||
Zwei Indikatoren für Atemnot: Tachypnoe, Zyanose, gemessene Hypoxie (O2 < 90 %), Giemen, Thoraxwandretraktionen, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur | ||
Herz-Kreislauf-System | Gemessene Hypotonie | – |
Bewusstseinsverlust (nicht vasovagaler Natur) | ||
Gastrointestinaltrakt | Brechreiz (neu aufgetreten) | – |
Durchfall (neu aufgetreten) | ||
Labor | Erhöhter Mastzell-Tryptase-Wert | – |
Von insgesamt 321 gemeldeten Fällen wurden anaphylaktische Reaktionen (BC Level 1–3) in 57 % als Level 1 klassifiziert, gefolgt von 38 % Level 2 und 5 % Level 3 (Tab. 3). Die Mehrzahl der Reaktionen trat nach der ersten Impfdosis auf (73 %), wobei mRNA-Impfstoffe wie Comirnaty® und Spikevax® die höchsten Melderaten aufwiesen, insbesondere bei Frauen. Die Zeit nach der Impfung bis zum Auftreten zur Reaktion betrug in 90,4 % der Fälle bis zu 60 min. Trotz der Reaktionen konnten 62 % der Betroffenen nach allergologischer Abklärung oder unter Vorsichtsmaßnahmen erneut geimpft werden, wobei 73 % der erneut Geimpften keine erneute Anaphylaxie entwickelten [13].
Tab. 3
Mindestanforderungen für die Diagnosesicherheitsstufen (Stufen 1–4) gemäß der Falldefinition der Brighton Collaboration (BC) [15]
Level | Kriterien |
---|---|
Level 1 | Rasche Progression der Symptome |
Major-Kriterium der Haut/Schleimhaut und ≥ 1 weiteres Major-Kriterium (Atemwege, Herz-Kreislauf, gastrointestinal, Labor) | |
Level 2 | ≥ 2 Major-Kriterien aus verschiedenen Systemen (exkl. Haut/Schleimhaut) |
Level 3 | Nur 1 Major-Kriterium und ≥ 1 Minor-Kriterium aus einem anderen System |
Level 4 | Unzureichende Informationen, um ein Level der diagnostischen Sicherheit zu erfüllen |
Level 5 | Ausreichende Informationen zeigen, dass die Fallbeschreibung keine Anaphylaxie ist |
Eine Besonderheit bei allergischen Reaktionen auf COVID-19-Impfstoffe ist das Auftreten von pseudoallergischen Reaktionen, die möglicherweise durch den Mechanismus der komplementaktivierungsvermittelten pseudoallergischen Reaktion (CARPA) ausgelöst werden. CARPA beschreibt eine nicht-IgE-vermittelte Aktivierung des Komplementsystems, die zur Freisetzung von Entzündungsmediatoren führt und klinische Symptome wie Hautrötung, Atembeschwerden und Schwellungen verursacht [16]. Dieser Mechanismus ist relevant bei Impfstoffen, die Lipidnanopartikel als Transportvehikel verwenden, wie mRNA-Impfstoffe von Pfizer-BioNTech und Moderna. Studien zeigen, dass CARPA zu einer Aktivierung von Mastzellen und Basophilen führt, was wiederum zu pseudoallergischen Symptomen führen kann, die klinisch einer Anaphylaxie ähneln, jedoch nicht durch IgE vermittelt werden [16, 17].
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Um das Risiko solcher Reaktionen zu minimieren, wurde in einigen Fällen ein gestuftes Dosierungsschema verwendet, das die Verträglichkeit der Impfung bei betroffenen Patienten verbessert. CARPA stellt einen neuen Ansatz zur Erklärung von Impfstoffreaktionen dar, insbesondere bei Personen mit einer Vorgeschichte von Anaphylaxie auf mRNA-Impfstoffe. Weiterhin hat sich gezeigt, dass bei einigen Patienten mit einer Anamnese schwerer Reaktionen eine erneute Immunisierung durch Desensibilisierungsprotokolle möglich ist, was darauf hinweist, dass CARPA eher ein vorübergehender, dosierungsabhängiger Mechanismus ist [16, 17].
Neuere Untersuchungen konnten unabhängig voneinander zeigen, dass die Reaktion auf mRNA-Impfstoffe abhängig ist von der Höhe des anti-PEG-IgG-Titers [18].
Diagnostische Abklärung und Impfstrategie bei bekannten Allergien auf PEG und Polysorbat
Welche Patienten sollten einer allergologischen Abklärung zu geführt werden? Dazu findet sich eine Handlungsempfehlung der Fachgesellschaften [19].
-
Anaphylaxie/schwere allergische Reaktion nach der 1. oder 2. Dosis eines COVID-19-mRNA-Impfstoffs (< 1 h nach Gabe des Agens)
-
Ärztlich behandelte Anaphylaxie/schwere allergische Reaktion > 1 h (bis 24 h) nach COVID-19-mRNA-Impfung
-
Bekannte Überempfindlichkeit auf einen Inhaltsstoff in den COVID-19-mRNA-Impfstoffen
-
Bekannte allergische Reaktion auf PEG (Polyethylenglycol) oder ein PEG-haltiges Arzneimittel (z. B. Laxanzien, Darmspüllösungen vor Endoskopie)
-
Anaphylaxie/schwere allergische Reaktion unklarer Ursache
Diese Patienten sollten zur weiteren Betreuung in allergologische Zentren überwiesen werden. Die diagnostische Abklärung vor geplanter Impfung kann Hauttestungen auf PEG und Polysorbat 80 sowie Basophilenaktivierungstests umfassen, die eine verlässliche Risikobewertung ermöglichen. In Bezug auf Allergiker gegenüber PEG ist eine Abklärung nicht in jedem Fall sinnvoll, da der Anteil von 0,05 mg PEG 2000 pro Impfung nicht ausreicht, um eine Reaktion auszulösen [20]. Da ein Großteil der Patienten die zweite Gabe des Impfstoffs vertragen hat, scheint eine nicht-IgE-vermittelte Reaktion wahrscheinlich [19, 21]. Patienten mit bestätigter PEG-Allergie oder schwerwiegenden Reaktionen können aber auch mit alternativen Impfstoffen geimpft werden und sollten nach der Impfung verlängert beobachtet werden (30 min). In größeren publizierten Fallserien konnte die Mehrheit der getesteten Patienten nach strukturierter Abklärung sicher geimpft werden [21‐23]. Ein alternatives Konzept bei allergischen Patienten ist die fraktionierte intradermale Impfung bei der zum Beispiel 1/10 oder 1/5 der normalen Dosis im Abstand von 4 Wochen appliziert wird [24].
Die potenziellen allergieauslösenden Inhaltsstoffe von COVID-19-Impfstoffen sind in Tab. 4 zusammengefasst.
Tab. 4
Potenzielle allergieauslösende Inhaltsstoffe der Impfungen
Hersteller | Komponenten |
---|---|
BioNTech BNT162b2 (Corminaty) | PEG 2000 |
Moderna mRNA-1273 (Spikevax) | PEG 2000, Tromethamin |
Novavax NVX-CoV2373 (Nuvaxovid) | PS80 |
Impfquoten, Impfbereitschaft und -akzeptanz
Die COVID-19-Pandemie hat die Welt vor nie dagewesene Herausforderungen gestellt. Eine der effektivsten Strategien zur Eindämmung der Pandemie war die Entwicklung und Verabreichung von Impfstoffen [25]. Dennoch wurde der Erfolg der Impfkampagnen durch Impfskepsis in verschiedenen Bevölkerungsgruppen beeinträchtigt. Die RKI COVIMO-Studie liefert wertvolle Einblicke in die Dynamik der Impfbereitschaft und identifiziert Barrieren, die die Impfquote beeinflussen [26]. Ein signifikanter Teil der Befragten glaubte, dass die COVID-19-Impfung Allergien verursachen könne. Diese Befürchtung zählt zu den klassischen Impfmythen, die auch bei anderen Impfstoffen zu beobachten sind.
Die Daten zeigen, dass 52,5 % der Befragten unsicher waren, ob die COVID-19-Impfung Allergien verursacht. 33,7 % beantworteten die entsprechende Wissensfrage korrekt, während 13,8 % fälschlicherweise annahmen, dass dies der Fall sei. In anderen Fallserien konnte gezeigt werden, dass durch negative Erfahrungen mit Medikamenten und vermutete Medikamentenallergien eine Impfskepsis verursacht wird. Dazu zeigte sich, dass im Besonderen Angst- und Depressions-Scores bei dieser Patientengruppe signifikant erhöht waren. Die Autoren konnten zeigen, dass die allergologische Abklärung zu einer hohen Rate an Impfungen führte, während ein Gespräch mit den Patienten über die Risiken und eine individuelle Impfempfehlung ohne Testung nur selten zu dokumentierten Impfungen führte [27, 28].
Schlussfolgerung
COVID-19-Impfungen sind weiterhin ein bedeutender Schutz gegen schwere Erkrankungen, auch für Allergiker. Allergologische Untersuchungen helfen, das Risiko für schwere Reaktionen besser zu bewerten und ermöglichen sichere Impfungen für Risikopatienten. Da die mRNA-Technologie zukünftig auch für andere therapeutische Bereiche eine Rolle spielen wird, werden allergische oder pseudoallergische Reaktionen auch weiterhin eine Herausforderung für Allergologen/Immunologen darstellen. Eine strukturierte Abklärung bei unklaren Reaktionen kann Ängste abbauen und zur Impfbereitschaft beitragen.
Einhaltung ethischer Richtlinien
Interessenkonflikt
M. Lorenz gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
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