Die Zunge hat eine zentrale Aufgabe bei vielerlei Aufgaben. Stillen, angemessene Ernährung und altersgemäßer Gewichtsverlauf sind einige davon – und wichtige Anliegen in der Pädiatrie. Auch bei Problemen mit Essen, Aussprache, Schlucken oder Zahnstellung kann eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit durch ein zu kurzes Zungenband eine Rolle spielen, da dadurch die erforderlichen Lernprozesse für die Bewegung der Zunge behindert werden.
Das Wissen um die möglichen Folgen eines zu kurzen Zungenbands hat in den letzten Jahrzehnten vermehrt an Kenntnis gewonnen. Die ausgeprägte Variante des zu kurzen Zungenbands, das Frenulum linguae breve anterior (oder: zu kurzes Zungenband mit Ansatz an der Zungenspitze), ist sichtbar und wird meist behandelt; seltener die posteriore Variante, das zu kurze Zungenband mit Ansatz hinter der Zungenspitze, bei der die Zungenspitze frei ist und keine Einkerbung zeigt.
Die Auseinandersetzung mit der Anatomie der Strukturen in der Mundhöhle, mit den unterschiedlichen Möglichkeiten der Beurteilung der Funktion der Zunge und der unterschiedlichen Möglichkeiten der Frenotomie als Behandlung eines zu kurzen Zungenbands sollen die Beurteilung unterstützen, wann und bei wem eine Behandlung sinnvoll ist und wann nicht, und welche begleitenden Maßnahmen empfohlen werden sollten.
Wenn ein zu kurzes Zungenband unerkannt bleibt, wirken die zur Lösung der Symptome ergriffenen Maßnahmen oft nicht wie erwünscht. Daher ist es essenziell zu erkennen, wann eine Behandlung des zu kurzen Zungenbands sinnvoll ist, wann nicht, und wie sie mit anderen Maßnahmen verbunden werden kann, damit das Ergebnis – nämlich eine verbesserte Beweglichkeit der Zunge für die erforderlichen Funktionen – erreicht wird.
In dieser dreiteiligen Serie zum Thema zu kurzes Zungenband wird ein vertiefter Überblick über das Thema geschaffen, insbesondere über den Zusammenhang mit Stillen, Ernährung, Gewichtsverlauf, Sprache und Zahnstellung.
Dieser erste Teil befasst sich mit der Beurteilung des zu kurzen Zungenbands, mit Hinweis auf die Notwendigkeit eines multifaktoriellen Beurteilungskonzepts, das Vor- und Nachsorge sowie die Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften und die Beschäftigung mit erstellten Fotos (und Videos) berücksichtigt.
Die Teile 2 und 3, die in den nächsten Folgen von Pädiatrie & Pädologie erscheinen, behandeln die Behandlungsmethoden des zu kurzen Zungenbands und die Problemfelder bezüglich der Behandlungsmethoden bei zu kurzem Zungenband (und Lippenband) und in der Nachbehandlung des zu kurzen Zungenbands.
Die Schritte der Beurteilung, Indikationsstellung/Diagnose und Therapie sowie die Nachsorge werden evidenzbasiert besprochen, mit dem Ziel, dass die Betroffenen und deren Familien die benötigte Hilfe kompetent und zeitgerecht erhalten.