Der neonatale FC-Rezeptor (FcRn) bewirkt, dass Immunglobulin (Ig) G durch blockierende Organschranken gelotst wird. Eine weitere Funktion ist das pH-abhängige Recycling von IgG und damit die Protektion gegen seinen vorzeitigen intrazellulären Abbau. Die Blockade des FcRn-Rezeptors im Rahmen der Therapie rheumatoider Erkrankungen zielt daher auf eine effektive Reduktion zirkulierender IgG ab. Nipocalimab ist ein innovativer FcRn-Rezeptor-Blocker, dessen Wirksamkeit kürzlich bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis in einer Phase-IIA-Studie („IRIS-RA“) evaluiert wurde. Der primäre Endpunkt, die Änderung im DAS28-CRP-Score in Woche 12, wurde zwar verfehlt, allerdings zeigte sich, dass die Substanz deutlich wirksamer war, wenn der Ausgangslevel der Antikörper gegen citrullinierte Proteine (ACPA) zu Studienbeginn über dem Median lag. Das legt die Hypothese nahe, dass die Effektivität von Nipocalimab mit einer Abnahme des ACPA-Serumspiegels assoziiert ist. Relevante Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Eine weitere Studie untersucht derzeit den additive Effekt von Nipocalimab in Kombination mit Certolizumab. Das Therapiepotenzial von FcRn-Rezeptor-Blockern, die Rolle des ACPA-Abfalls im Rahmen der Krankheitsaktivität, denkbare Arten des Einsatzes von Nipocalimab z. B. als Monotherapeutikum oder Kombinationspartner, mögliche Indikationen in der Behandlung rheumatoider Erkrankungen sowie die Relevanz der Etablierung neuartiger Therapieansätze bei rheumatoider Arthritis werden im Rahmen eines Experteninterviews diskutiert.